Dr. Barbara Niedner

Verhaltensbiologie & Führung

Frauen in Führungspositionen: Fragen an Schreibcoach Gitte Härter

Frauen in Führungspositionen
Was können Frauen, die was erreichen wollen, von Ihnen lernen?

 

Fragen an Schreibcoach Gitte Härter:

Gitte Härter
Gitte Härter ist eine Power-Frau, die wunderbar weiblich charmant ihren Weg geht. Sie beschreibt sich selbst als “x-fache Buch-Autorin, Schreibcoach + Schmarrnproduzentin”.

Ihre Website: himbeerwerft.de

 

Sie waren früher in einem Unternehmen tätig und hatten Führungsverantwortung. Was waren Ihre persönlichen Erfolgsbausteine auf dem Weg nach oben?

Da fallen mir zwei Dinge besonders ein:

  1. Ich habe mich buchstäblich hochgearbeitet, hatte jedoch gar keine Karriereleiter im Kopf, sondern habe in der jeweiligen Position sehr selbstständig meinen Bereich ausgefüllt und mitgestaltet. Da die Ergebnisse gestimmt haben, bekam ich immer mehr Freiheit.
  2. Ich habe immer „Ja“ gesagt, wenn es um neue Aufgaben und Herausforderungen ging, die ich spannend fand. Auch wenn ich mir insgeheim in die Hose gemacht habe, dachte ich: Du hast schon ganz andere Sachen gemeistert!

Hatten in Ihrem Unternehmen Frauen und Männer mit gleichen Kompetenzen die gleichen Chancen und Aufwand, in alle Führungsetagen zu kommen? Falls nein, was müsste sich aus Ihrer Sicht verändern, damit Frauen und Männer die gleichen Chancen haben?

Ja. Da ich in der Medienbranche tätig war, gab es eine sehr hohe Frauenquote. – Viele Stellen, auch im oberen Management, waren mit Frauen besetzt. Das war sogar international so. Bis auf die höchste Management-Ebene waren wir zu meiner Zeit, also in den 90er Jahren, ein sehr frauenlastiges Unternehmen.

Allerdings wurde man da kopfscheuer, als in manchen Abteilungen mehrere Frauen gleichzeitig schwanger wurden. Da hat sich dann auf Einstiegsebene der Männeranteil enorm erhöht, was sich dann natürlich mit der Zeit fortsetzt.

Meinen Sie, dass es in Ihrem Arbeitsbereich anders zugegangen ist als in männergeführten Bereichen? Was ist Ihr persönlicher weiblicher Mehrwert?

Ehrlich gesagt, habe ich nie über „weiblichen Mehrwert“ nachgedacht und ob der so pauschal existiert. Aber ja: Miteinander gut auskommen, keine blöden Spielchen mitmachen oder in der Abteilung dulden, Lösungen statt Ego … das waren ganz zentrale Punkte. Wir sind zum Arbeiten da und machen das idealerweise in einem Umfeld, in dem wir uns wohlfühlen, ohne Drama und Ellenbogen.

Was meinen Sie war Ihr Beitrag, der den Gewinn bzw. den Erfolg Ihres Unternehmens erhöht hat?

Da geht natürlich vieles Hand in Hand: Ich war Sales Managerin und der Vertrieb war natürlich eine zentrale Schnittstelle. Ich lass mal das Offensichtliche, also das effizient arbeiten + Umsatz machen, außen vor, weil das eh klar ist.

Zum einen bin ich sehr geradlinig – in alle Richtungen: Also nach oben zu meinen Vorgesetzten, zur „Seite“, damit die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen reibungslos funktioniert, in meinem eigenen Team insgesamt und 1:1. Wir hatten immer klare Ziele und alle wussten, was erwartet wird. Meine Leute wussten immer, dass ich ihnen den Rücken freihalte: Wenn also wieder mal Personal zusammengestrichen, aber noch mehr Arbeit aufgedrückt wurde, haben alle gewusst, dass wir gerade eine Ausnahmesituation haben, ich mich aber „nach oben“ entsprechend einsetze, dass es an irgendeinem Ende eine Entlastung oder zeitnahe Perspektive geben muss – und dafür habe ich immer Lösungsvorschläge, auch „Plan B“ mitgeliefert.

Das Allerwichtigste war das Führen und Heranziehen meiner Leute. Also wirklich die Einzelnen besser zu machen und produktiver oder einfach selbstbewusster, so dass sie sich trauen aktiv zu sein oder Fehler gleich zuzugeben, bevor was eskaliert. Auch in Bezug auf Führungsqualitäten. Denn darin liegt das langfristige Kapital – zumindest wenn die Firma so schlau ist, die guten Leute dann auch zu halten.

Oft denken wir Karriere läuft nach einem festen Plan. Was waren Ihre drei größten Stolpersteine auf dem Weg nach oben? Und wie haben Sie sie gemeistert?

In meinem Fall gabs keinen Plan. Ich habe immer das gemacht, was ich gerne gemacht habe. Und wenn ich den Eindruck hatte, „das kanns doch nicht gewesen sein“, habe ich entweder mit meinem Vorgesetzten gesprochen oder gekündigt. Ja, ich habe tatsächlich mal gekündigt, weil ich keine Perspektive mehr gesehen habe, von spannenden Aufgabenbereichen her. Da hat mir ein Chef eine Stelle geschaffen, weil er mich nicht verlieren wollte. Da hab ich nachträglich gedacht: Was wäre gewesen, wenn ich mich heimlich wegbeworben hätte?

Es gibt etwas, das ich im Nachhinein als Stolperstein … oder besser: Blödheit … werte. Ich war viel zu passiv, was meinen Wert + Mehrwert angeht. Männliche Manager haben auch bei uns deutlich mehr verdient. Weil sie es einfach gefordert haben. Ich habe immer gewartet, bis ich eine Gehaltserhöhung bekam. – Das war dann schließlich mit ein Grund, warum ich weg bin, dabei war ich selbst schuld.

Wenn Sie Frauen, die nach oben wollen, drei Tipps geben könnten, wäre das …

  1. Hinterfrag dich ständig – aber auf konstruktive Art. So weißt du konkret, was du auf dem Kasten hast und kannst dich im Alltag immer weiter verbessern.
  2. Mach den Mund auf! Also sag, was du willst + was du kannst, und zwar ohne um den Brei rumzureden oder bittstellerisch zu sein.
  3. Beweise Rückgrat. – Das klingt so harmlos, doch da steckt jede Menge drin: Die eigene Präsenz; hinter dem stehen, was du sagst und tust; pick your battles – aber wenn es sich lohnt, dann kämpf, … auf gute Weise natürlich.

Sie haben sich gegen eine Karriere im Unternehmen entschieden und sind heute Ihre eigene Chefin. Was müsste sich aus Ihrer Sicht in Unternehmen ändern, damit Sie als Frau Lust drauf hätten dort Ihre Karriere fortzusetzen?

Eins voraus: Ich war immer gerne angestellt, bin also nicht in die Selbstständigkeit geflüchtet. Trotzdem reizt mich der Gedanke gerade an große Unternehmen tatsächlich nicht mehr: Es gibt mir zu viel Geschwätz und Machtspielchen.

Was ist das besondere an Ihrer weiblichen Persönlichkeit?

Meine humorvolle No-nonsense-Attitüde.

Autor: Dr. Barbara Niedner

Als Verhaltensbiologin und Führungskräftetrainerin in namhaften Unternehmen bringe ich die Prinzipien der Natur, die sich über Millionen von Jahren agil wandlungsfähig angepasst hat, in die digitale Ära.